Interview mit Friederike Petri im November 2013


Die 17-jährige Friederike belegte den 3. Platz beim Bouldern der Damen auf dem diesjährigen Deutschen Bouldercup in München. Aufgrund ihrer guten Leistungen hat sie sich für die Teilnahme an der Weltmeisterschaft im Bouldern 2014 qualifiziert. Friederike ist eine Boulderin aus Leidenschaft, sie lebt für ihren Sport und organisiert ihr Leben so, dass sie ihrer Leidenschaft so häufig und intensiv wie möglich nachgehen kann.


Seit wann kletterst Du?
Seit ich 6 bin.


Und wie kamst du zum Klettern?
So genau weiß ich das nicht mehr (lacht). Mein Vater arbeitet in der Nähe der Kletterhalle in Burghausen und jedes Mal wenn wir dort vorbeigegangen sind, wollte ich wohl immer dort rein und klettern. Irgendwann bin ich dann mal zum Schnupper-Klettern gegangen und wollte dann nicht mehr weg (lacht). 


Wer sind Deine Vorbilder und warum?
Direkte Vorbilder habe ich eigentlich nicht.


Was fasziniert Dich am Bouldern?
Die coolen Bewegungen! Sowohl das Athletische als auch das Kreative, auch das Körpergefühl, das man dafür benötigt, das macht mir viel Spaß. Genau das ist auch anders als beim Klettern. Beim Klettern kommt es mehr auf Ausdauer an und nicht so auf diese spezifischen Bewegungen wie beim Bouldern, die kommen da eher weniger vor.


Und was inspiriert Dich?
Ganz besonders die Momente, wenn man neue Techniken herausfindet oder irgendwelche Boulder macht, wo man am Anfang gar keinen Plan hat und den Boulder dann irgendwie eher mit dem Kletterkönnen schafft und nicht mit Kraft. Mit Kraft kann man sich irgendwie „drüberschummeln“, aber richtig klettern ist schon irgendwie was anderes und wenn man das dann fühlt beim Bouldern, das ist dann schon cool (lacht). 


Hat das Klettern Dein Leben beeinflusst?
Auf jeden Fall! Schule mach ich eher so nebenbei (lacht). Das Klettern bzw. Bouldern ist inzwischen zum Kern meines Lebens geworden. In den Ferien z. B. gehe ich eigentlich nur klettern oder bouldern, fahre oft mit Anderen irgendwo hin und auch in der Woche trainiere ich 3 - 4 mal und dann noch die ganzen Wettkämpfe… Irgendwie ist der Hintergedanke immer „ was mach ich jetzt damit ich hinterher noch irgendwo bouldern gehen kann“ (lacht) „ich muss jetzt eine gute Note schreiben, damit ich dann wieder wegfahren darf“ (lacht).


Es ist also quasi wie eine Sucht?
Ja, genau! (lacht) Man lebt halt dafür. Und ich mach um das Bouldern herum ja auch relativ viel mit Jugendgruppen und ich gehe auch gerne Klettersteige draußen in der Natur oder gehe wandern. 


Verwendest Du Erlebnisse und Erkenntnis aus dem Bouldern in Deinem allgemeinen Leben?
Also ich merke es schon wenn ich ein Ziele verfolge, z. B. auf etwas hintrainiere. Ich möchte jetzt zum Beispiel mein Abi schreiben also konzentriere ich mich schon ein bisschen mehr auf die Schule als sonst (lacht). Und das ist schon so, dass ich das durchhalte und kontinuierlich lerne. Vor allem merke ich es auch an meiner Willensstärke: „ich will das jetzt schaffen!“ Und wenn ich etwas will, dann schaffe ich das meistens auch. Das kann man schon im Leben sehen. 


Was ist Dein größter Bouldertraum?
Also einen speziellen Boulder gibt es da eigentlich nicht, ich möchte aber unbedingt in die Rocklands und hoffe, dass das nächstes Jahr nach dem Abi klappt. Und ich möchte unbedingt noch 8a bouldern. Ich weiß momentan nicht so genau wie weit das von meinem jetzigen Niveau weg ist, aber das möchte ich schon gern können. Eigentlich träume ich von verschiedenen Dingen auf der ganzen Welt, verschieden Felsen, verschiedene Länder, andere Kletterer, …


Was sind Deine größten Erfolge in Wettkämpfen?
Im Wettkampfgeschehen war wohl mein größter Erfolg der 3.Platz beim Deutschen Bouldercup in München und dass ich Bayerische Bouldermeisterin 2013 bin.


Und draußen am Fels?
Meine bisher größten Erfolge am Felsen waren der Boulder "Barre Fixe" in Fontainebleau und "Doctor Crimp" im Tessin, die beide einen Schwierigkeitsgrad von 7b+ haben.


Und auf welche Deiner Erfolge bist Du besonders stolz und warum?
Besonders stolz bin ich in diesem Jahr auf meinen 3. Platz beim Deutschlandcup der Damen, da war ich richtig glücklich! Es war auch völlig unerwartet. Ich war im Finale und es kam der letzte Boulder, ein Sprung, was ich eigentlich überhaupt nicht kann. Nun stand ich davor und hab mir gedacht „ich kann das zwar nicht, aber ich probiere das mal“. Dann hab ich ein paar Mal leider erfolglos probiert. Aber ich dachte, dass ich kann nicht einfach so von der Matte gehen kann. Dann hab ich mir den Boulder noch einmal angeschaut und hab es dann irgendwie geschafft. Dabei hab ich gar nicht so wirklich darüber nachgedacht, es kam einfach so aus mir heraus, dass ich dann in der Verschneidung hoch bin. Ich hab also den Sprung einfach umklettert, habe eine andere Lösung gefunden. Und dadurch habe ich den Boulder eben geschafft und es hat mich auf den dritten Platz gerettet (lacht). Meine Kreativität hilft mir oft weiter, man darf oft einfach nicht so viel nachdenken, wie „wie ist das geschraubt, wie sollte man hier eigentlich klettern“ usw. Einfach loslegen!


Du boulderst auch auf internationalen Wettkämpfen - was begeistert Dich da am meisten?
Ich bin jetzt schon das dritte Jahr international unterwegs gewesen und es ist schon ziemlich cool, wenn die ganzen starken Kletterer aus ganz Europa da sind, im gleichen Alter aber mit ganz anderen Sprachen und Kletterstilen. Letztes Jahr war ich das erste Mal beim Weltcup in München dabei, mein Ergebnis war zwar nicht so gut, aber die Erfahrung war toll und es hat auch echt viel Spaß gemacht. Es ist halt mal ganz was anderes wenn man mit Anna Stöhr (Anm. aktuelle Weltmeisterin der Damen im Bouldern) zusammen auf einem Wettkampf klettert (lacht)! Das ist natürlich ein ganz anderes Niveau, aber es weckt auch meinen Ehrgeiz, wenn ich mir denke, dass ich da auch einmal stehen möchte. Man sieht auch sehr gut, wo man noch dran arbeiten muss.
Dieses Jahr habe ich dann schon mehr Worldcups mitgemacht, zwei in Österreich und einen in Slowenien sowie die Erwachsenen-EM in Holland und der Worldcup in München. Das hat mir richtig viel Spaß gemacht, weil ich teilweise schwere Boulder geschafft habe, was mir dann schon ein wenig Mut gemacht hat. Einmal bin ich sogar ziemlich knapp am Halbfinale vorbeigeschlittert! 
Mein Talent liegt bei Platten, vermutlich, weil man nicht mit Kraft, sondern Körpergefühl drüber kommt. In Kitzbühel und in Innsbruck z. B. der erste Boulder eine Platte, die ich auf Anhieb geschafft habe. Mein Trainer hat mir hinterher dann erzählt, dass die starken Kletterer, die Japanerin Akiyo Noguchi (Vize-Weltmeisterin) und die Österreicherin Anna Stöhr (amtierende Weltmeisterin), diese nicht auf Anhieb geschafft haben. Das hat mir ziemlich Mut gemacht „ja, ich kann ja doch was“, wobei ich weiß, dass ich noch an meinen Schwächen arbeiten muss. Aber man fühlt sich ziemlich gut, dass man das geschafft hat obwohl man in der Rangliste schon noch weit unten ist.
 


Was erhoffst Du Dir vom kommenden Kletterjahr 2014 bei den Wettkämpfen und draußen am Fels?
Ich bin in Deutschland nur sehr knapp in der Gesamtwertung vom Podium weg gewesen und das hat mich ziemlich geärgert. Daher möchte ich auf den Deutschlandcups bei den Erwachsenen so richtig durchstarten, dass ich da auch richtig weit vorn dabei bin. 
International ist es nächstes Jahr ein bisschen schwierig, weil die internationalen Wettkämpfe bei denen ich starten dürfte in der Abi-Zeit sind, das ist richtig ärgerlich. Aber ich nutze das Jahr und trainiere viel und 2015 geht’s dann ab! (lacht). Nächstes Jahr ist ja auch in München die Weltmeisterschaft und da wäre mein Ziel, dass ich da starten darf!


Möchtest Du dann studieren?
Ich mach erst einmal 1,5 Jahre Pause und konzentriere mich aufs Klettern und dann werde ich wahrscheinlich in München Sportwissenschaft studieren. Und ich werde noch in die Rocklands fahren, auf jeden Fall! (lacht) 

 

Vielen Dank, Freddy, für das sympathische Gespräch, ich bin sicher, dass wir in Zukunft noch viel von Dir hören werden!